Lebensraumtypen



Vegetationsfreies Schlick-, Sand- und Mischwatt

Vegetationsfreies Schlick-, Sand- und Mischwatt gehört zu den nach Anhang I der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen (NATURA 2000-Code: 1140). Nach Art. 3 Abs. 1 S. 2 FFH-Richtlinie ist es das Ziel, den Fortbestand oder ggf. die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes dieser natürlichen Lebensraumtypen zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss jeder Staat in seinem Hoheitsgebiet Gebiete als besondere Schutzgebiete ausweisen (vgl. Art. 3 Abs. 2 S. 2 FFH-Richtlinie). Dies schließt für Deutschland auch die Bereiche der deutschen AWZ (12-200 sm) in der Nordsee und der Ostsee mit ein.


Definition

Vegetationsfreies Schlick-, Sand- und Mischwatt sind Wattflächen mit Sand-, Schlick- oder Mischsubstrat, die bei Ebbe regelmäßig trockenfallen[1]. Es ist weitestgehend vegetationslos, in den nur selten trockenfallenden Bereichen findet sich ggf. eine lockere Seegras-Vegetation[2]. Das Watt ist der Lebensraum für viele marine Fischarten im Jugendstadium, aber auch der wichtigste Nahrungsplatz für Wasservögel mit besonderer Bedeutung für Zugvögel während der Rast, der Mauser und als Überwinterungsquartier. An der Ostsee sind die Windwattflächen eingeschlossen[3].


Kartierungshinweise

Abgegrenzt wird der regelmäßig trockenfallende Bereich zwischen MTNW[4] und MTHW[5], wobei der Bereich bei Kenntnis des lokalen Tidenhubs aus den Höhenangaben der Topographischen Karten abgeleitet werden kann[6]. Das Windwatt an der Ostsee kann bei Kenntnis der vorherrschenden Windrichtungen sowie der Form der Küstenlinie unter Berücksichtigung der Wassertiefen abgegrenzt werden[7].


Nutzung/Pflege

Als natürliche Lebensraumtypen sind Wattflächen nicht von einer Nutzung abhängig.


Hauptgefährdungsfaktoren

Die Hauptgefährdungsfaktoren sind Schad- und Nährstoffeintrag, Eindeichung, Grundschleppnetzfischerei, Muschelfischerei, Ölförderung, Schifffahrt, Tourismus und militärischer Schießdienst[8].


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Quellen:
[1] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: Das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000, BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 53, BfN Bonn – Bad Godesberg 1998, S. 104.
[2] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 104.
[3] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 104.
[4] MTNW = Mittleres Tidenniedrigwasser.
[5] MTHW = Mittleres Tidenhochwasser.
[6] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 105.
[7] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 105.
[8] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 106.