Lebensraumtypen



Lagunen des Küstenraums (Strandseen)

Lagunen des Küstenraums (Strandseen) gehören zu den nach Anhang I der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen (NATURA 2000-Code: 1150). Nach Art. 3 Abs. 1 S. 2 FFH-Richtlinie ist es das Ziel, den Fortbestand oder ggf. die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes dieser natürlichen Lebensraumtypen zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss jeder Staat in seinem Hoheitsgebiet Gebiete als besondere Schutzgebiete ausweisen (vgl. Art. 3 Abs. 2 S. 2 FFH-Richtlinie). Dies schließt für Deutschland auch die Bereiche der deutschen AWZ (12-200 sm) in der Nordsee und der Ostsee mit ein.


Definition

Unter Lagunen werden vom Meer abgeschnittene salzige/brackige oder stärker ausgesüßte Küstengewässer (Strandseen, Lagunen) mit zumindest temporärem Salzwassereinfluss verstanden[1]. Eine Abgrenzung vom Meer erfolgt oft nur durch schmale Strandwälle, manchmal auch durch Geröllwälle oder Felsriegel, so dass sie bei Sturmfluten noch von Meerwassereinbrüchen betroffen sind. Lagunen sind ein charakteristisches Merkmal der Ausgleichsküsten, wobei der Salzgehalt und Wasserstand stark variieren kann[2]. Lagunen sind in der Regel frei von Vegetation, ausnahmsweise haben sie eine Vegetation der Ruppietea maritimae, Potametea, Zosteretea oder Charetea, im Uferbereich ist eine Vegetation des Röhrichts möglich.


Kartierungshinweise

Es muss eine Abtrennung vom Meer bei MTHW[3] vorliegen. Lagunen können primär (Strandwälle, Ausgleichsküsten) entstanden oder sekundär durch Dämme oder Sieltore vom Meer abgetrennt sein[4].
Fließgewässermündungen sind als Ästuare[5] aufzufassen, auch wenn sie durch Strandwälle vom Meer abgetrennt sind, und unterscheiden sich von Lagunen durch die kontinuierliche Süßwasserzufuhr.
Bei der Kartierung sollten nur Stillgewässer erfasst werden, die bei Sturmfluten mehr oder weniger regelmäßig vom Meerwasser erreicht werden, dagegen sind völlig ausgesüßte Stillgewässer auszuschließen[6].


Nutzung/Pflege

Nutzung und Pflege sind grds. nicht erforderlich, denn Strandseen entstehen regelmäßig an unverbauten Küstenabschnitten mit Anlandung neu, ggf. ist ein Rückbau von Deichen erforderlich[7].


Hauptgefährdungsfaktoren

Die Hauptgefährdungsfaktoren sind Schad- und Nährstoffeintrag, Eindeichung, Freizeitnutzung, Fischerei und intensive Beweidung, insbesondere dem daraus resultierenden Viehtritt und Nährstoffeintrag[8].


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Quellen:
[1] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: Das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000, BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 53, BfN Bonn – Bad Godesberg 1998, S. 107.
[2] Vgl. Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 107.
[3] MTHW = Mittleres Tidenhochwasser.
[4] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 108.
[5] NATURA 2000-Code: 1130.
[6] Vgl. Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 108.
[7] Vgl. Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 109.
[8] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 109.