Lebensraumtypen



Ästuarien

Ästuarien gehören zu den nach Anhang I der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen (NATURA 2000-Code: 1130). Nach Art. 3 Abs. 1 S. 2 FFH-Richtlinie ist es das Ziel, den Fortbestand oder ggf. die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes dieser natürlichen Lebensraumtypen zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss jeder Staat in seinem Hoheitsgebiet Gebiete als besondere Schutzgebiete ausweisen (vgl. Art. 3 Abs. 2 S. 2 FFH-Richtlinie). Dies schließt für Deutschland auch die Bereiche der deutschen AWZ (12-200 sm) in der Nordsee und der Ostsee mit ein.


Definition

Ästuarien sind Flussmündungen ins Meer, solange noch regelmäßig Brackwassereinfluss (mit erkennbaren Anpassungen der Pflanzen und Tiere) und Tideneinfluss (nur Nordsee) besteht, mit Lebensgemeinschaften des Gewässerkörpers, Gewässergrundes und der Ufer, wobei ein deutlicher süßwasserbeeinflusster Wasserdurchstrom besteht[1]. Die Vegetation des Ufers ist ebenfalls mit eingeschlossen. Dieser Lebensraumtyp stellt einen Landschaftskomplex dar, der aus zahlreichen Biotoptypen bestehen kann[2].


Kartierungshinweise

Der regelmäßige Brackwassereinfluss ist für die Abgrenzung des Lebensraumtyps das Hauptunterscheidungsmerkmal. Die Abgrenzung bezieht neben dem aquatischen Bereich die Brackwasser-Röhrichte und –hochstaudenfluren sowie die Tidenauenwälder der Ufer mit ein, so dass damit auch die Lebensraumtypen Schlammbänke und ihre Vegetation der schlammigen Flussufer mit Vegetation des Chenopodion rubri und des Bidention[3], Feuchte Hochstaudenfluren[4] bzw. Auenwälder[5] integriert sind[6]. Ästuarien unterscheiden sich von den Lagunen[7] und Meeresarmen bzw. –buchten[8] durch den stetigen Süßwasserdurchstrom.


Nutzung/Pflege

Als natürliche Ökosysteme sind Ästuare nicht von einer Nutzung abhängig.


Hauptgefährdungsfaktoren

Ästuarien sind hauptsächlich gefährdet durch Schifffahrt, Ausbaggerung der Fahrrinnen, Schad- und Nährstoffeintrag, Bau von Hafenanlagen, Eindeichung, Abwärmebelastung und Freizeitnutzung[9].


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Quellen:
[1] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: Das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000, BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 53, BfN Bonn – Bad Godesberg 1998, S. 101.
[2] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 101.
[3] NATURA 2000-Code 3270.
[4] NATURA 2000 Code 6430.
[5] NATURA 2000 Code 91E0 und 91F0.
[6] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 102.
[7] NATURA 2000 Code 1150.
[8] NATURA 2000 Code 1160.
[9] Axel Ssymank, Ulf Hauke, Christoph Rückriem, Eckhard Schröder: a.a.O., S. 103.